Übersicht

Wenn der Drachen im Fade fliegt, arbeitet die Waage eines Drachens ein wenig anders.

Der Fade

Im Fade fliegt der Drachen auf dem Rücken mit der Nase in Richtung Pilot. Dabei trifft der Wind auf die Rückseite des Drachen. Die Lenkschnüre verlaufen über Kreuz vom Drachen zum Piloten. D.h. die linke Schnur läuft zum rechten Flügel und umgekehrt.

Der Drachen liegt flach auf dem Wind und nimmt keine Vorwärtsgeschwindigkeit auf. Das Flugverhalten kommt dem Flug eines Einleinerdrachen am nächsten. Dabei nehmen die meisten Drachen keine sehr stabile Fluglage ein - wenn der Pilot nicht gegensteuert kippt der Drachen nach kurzer Zeit allein aus dem Fade heraus.

Aufgabenstellung

Die Waage im Fade hat, wie die Waage im Normalflug 2 Ausgaben:

  • Den Drachen richtig in den Wind zustellen (Einstellwinkel) und
  • die Lenkbewegungen an den Drachen weiter zuleiten.

Für den Flug im Fade spielt neben der Waage die Aerodynamik des Drachen eine wichtige Rolle. Wenn sich z.B. die die Schnur an der Nase verfängt kann ein guter Drache trotzdem weiter im Fade schweben. Er wird nur von einer Schnur an der Nase gehalten, wie ein Einleiner an einer Einpunkt-Waage. (Der Drachen ist in dieser Situation nicht mehr lenkbar!)

Soll der Drachen jedoch im Fade gesteuert werden, oder sollen Tricks im Fade ausgelöst werden muss dies bei der Konstruktion der Waage berücksichtigt werden.

Einfluss der einzelnen Waageschenkel

Um die Funktionsweise verstehen zu können werden zuerst die Aufgaben der drei Waageschenkel beschreiben:

Der obere Waageschenkel ist ohne Druck und daher für den Flug im Fade ohne Bedeutung.

Die Lenkschnüre hängen nur an den beiden unteren Waageschenkeln. Diese werden über die Leitkante auf die Rückseite des Drachen geführt. An der Leitkante bilden die beiden unteren Waageschenkel eine 2-Punkt-Waage. Die Länge des inneren und äußeren Waageschenkels sowie das Verhältnis der Längen der beiden Waageschenkel bestimmen den Einstellwinkel im Fade.

Einstellung der Waage

Die Waage im Fade kann von zwei verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden:

  • der Einstellwinkel und
  • der Abstand der Anknüpfpunkte.

Durch die Deltaform des Drachens sind Einstellwinkel und Abstand der Anknüpfpunkte miteinander verknüpft. Wenn der eine Wert verändert wird, ändert sich automatisch auch der andere Wert.

Einstellwinkel

Lage des Einstellwinkels:

  • Je weiter der Waagepunkt Richtung Nase wandert, desto flacher liegt der Drachen im Wind. Damit kippt der Drachen einfacher aus dem Fade. Die Waagepunkte wandern näher zusammen, damit wird der Drachen schwieriger zu kontrollieren.
  • Je weiter der Waagepunkt von der Nase weg wandert, desto steiler steht der Drachen im Wind. Dar durch steigt der Drachen höher und liegt stabiler im Fade. Die Waagepunkte wandern auseinander. Damit wird der Drachen einfacher kontrollierbar.
  • Steht der Drachen zu steil liegt er nicht mehr flach auf dem Wind und die Fade-Fluglage kann nicht aufgenommen werden.

Die Länge des äußeren Waageschenkel bestimmt die Entfernung des Waagepunktes zu der Nase und damit den Einstellwinkel der Waage (flach oder steil).

  • Je kürzer der äußere Waageschenkel ist, desto steiler fliegt der Drache,
  • Je länger, desto flacher fliegt der Drache.

Durch die Deltaform der Drachen ändert sich gleichzeitig mit dem Abstand zur Nase der Abstand der Anknüpfpunkte. (s.u.)

Der innere Waageschenkel bestimmt die Länge der (2-Punkt-)Waage. Je länger der innere Waageschenkel ist, desto länger wird die Waage. Wird der innere Waagenschenkel verkürzt, wird die Waage kürzer. Wird der innere Waageschenkel weiter verkürzt degeneriert die 2-Punkt-Waage zu einer 1-Punkt-Waage. Weiter sollte die Waage nicht verkürzt werden, da sonst die Waage vollständig auf der dem Piloten abgewandten Seite verläuft und nur die Lenkschnüre über die Leitkante laufen. Diese werde nur durch die Reibung zwischen Leitkante und Lenkschnüre auf einer Position gehalten. Sobald die Lenkschnüre entlastet oder belastet werden wandert der Waagepunkt auf der Leitkante ändert den Einstellwinkel.

Anpassungen der Länge am inneren Waageschenkel verändern zusätzlich den Einstellwinkel geringfügig. Diese Änderungen fallen meist nicht ins Gewicht und können vernachlässigt werden. Gleiches gilt für die Länge des äußeren Waageschenkel und die Länge der Waage. (Bereich der 1-Punkt-Waage.) Drehung

Abstand der Anknüpfpunkte

Durch die Deltaform und dem Umleiten der Waage über die Leitkante ergibt sich ein Zusammenhang zwischen Abstand Nase Anknüpfpunkt und Abstand Drachenmitte - Anknüpfpunkt. Je näher sich die Anknüpfpunkt an der Nase befinden, desto näher liegen die Anknüpfpunkte zusammen, desto kleiner ist der Hebelarm mit dem die Lenkbewegungen aus den Drachen übertragen werden. Je weiter sich der Anknüpfpunkt von der Nase entfernt, desto weiter liegen die Anknüpfpunkte auseinander, desto größer ist der Hebelarm mit dem die Lenkbewegungen aus den Drachen übertragen werden. Da der Abstand der Anknüpfpunkte durch die Entfernung von der Nase eingestellt wird, hat er auch direkt einen Einfluss auf den Einstellwinkel (s.u.).

Welchen Einfluss hat der Abstand zwischen den 2 Anknüpfpunkten auf das Flugverhalten?

Abstand ist zu nah:
Ist der Abstand zu nah an der Mittelinie des Drachens wird zu wenig Kraft aufgebracht, da der Hebelarm zu klein ist. Damit kann keine Drehung eingeleitet werden. Der Drachen stellt sich nur schräg.
Anknüpfpunkte liegen mehr zusammen:
Durch den kurzen Hebelarm muss mehr Kraft aufgebracht werden, um die Drehung einzuleiten. Dabei wird gleichzeitig eine große Nickbewegung erzeugt. Mit einer kleinen Lenkbewegung kann eine große Drehung erzeugt werden. Der Drachen liegt stabil um die Längsrichtung.
Anknüpfpunkte liegen mehr auseinander:
Durch den größeren Hebelarm muss weniger Kraft aufgewendet werden um die Drehung einzuleiten. Dadurch reduziert sich die Nickbewegung. Um eine ausreichende Rotationsgeschwindigkeit zu erreichen muss eine schnellere Lenkbewegung durchgeführt werden. Der Drachen fliegt unruhiger und neigt zum ausdrehen. (Korrekturbewegungen können sich aufschaukeln)
Anknüpfpunkte liegen zu weit auseinander:
Durch den großen Hebelarm muss nur wenig Kraft aufgewendet werden, damit wird keine Nickbewegung ausgelöst. Die erzeugte Rotationsgeschwindigkeit reicht nicht für den Backspin. Der Drachen muss ständig korrigiert werden, was jedoch gut gelingt, da die Lenkbewegungen gut dosiert werden können.

Lenkbewegungen

Mit Lenkbewegungen kann man den Drachen um zwei verschieden Achsen bewegen / drehen:

Drehung:
Durch das Ziehen an einer Lenkschnur (rechts / links) wird eine Drehbewegung um die Mittelachse erzeugt. Diese Bewegung wird verwendet um den Drachen aus dem Fade herauszudrehen, den Backspin und für Korrekturen. Da der Drachen flach auf dem Wind liegt und keine Eigengeschwindigkeit besitzt können mit dieser Bewegung keine Kreise geflogen werden.
Nicken:
Mit einem Ziehen an beiden Lenkschüren kann der Drachen aus dem Fade gezogen werden.
  • Bei einem einfachen Ziehen geht der Drachen in den Sturzflug über.
  • Mit einer stärkeren rückartigen Bewegung kann ein Flic-Flac eingeleitet werden.
  • Mit leichten Bewegungen in beiden Richtungen kann die Lage im Fade korrigiert werden.

Die Drehbewegung (rechts, links) funktioniert fast wie die Drehung im Normalflug. Durch die gekreuzten Schnüre ist jedoch die Wirkungsweise umgedreht: links ziehen -> rechts drehen.

Der wichtigste Faktor ist hier der Abstand der zwei Anknüpfpunkte bzw. der Abstand Mitte - Anknüpfpunkt. Mit dem Abstand ändert sich der Hebelarm mit dem die Lenkbewegungen eingeleitet werden.